Derby (Region Kimberly Ost)

Ingo Öland: Boab Baum
Boab Baum
📷 © Ingo Öland

Die Stadt ist das Verwaltungszentrum für ein weitläufiges Hinterland, mit Farmen, die bis zu 400.000 ha groß sind. Dort wird vorwiegend Schlachtvieh aufgezogen. Die „Beef Road“ genannte Gibb River Road verbindet Kununurra im Westen der Kimberleys mit Derby. Über diese Schotterpiste jagen auch die gigantischen Viehtransporter. Das Gebiet birgt viele Bodenschätze, die bisher nur im Ansatz erforscht wurden. Außerdem ist die Region voller bedeutender kultureller Stätten der Aborigines. In den letzten Jahren wird Derby zunehmend vom etwas weiter südlich gelegenen Broome der Rang abgelaufen. Mit durchschnittlich acht Meter (bei Springfluten bis 14 m) hat Derby übrigens den größten Tidenhub der südlichen Hemisphäre. Der Tidenhub ist in dieser Region also ähnlich spektakulär wie in der Bretagne und der Normandie.

Ausflugsziele (Auswahl)
Derby ist ein guter Ausgangspunkt für Exkursionen in die Kimberleys. Aufgrund der (für westaustralische Verhältnisse) nahegelegenen Schluchten hat der Ort auch den Spitznamen „Gateway to the Gorges“:

  • Geikie Gorge National Park – Anreise über Great Northern Highway, via Fitzroy Crossing, anschließend 20 km Schotterpiste bis zum Park – nur in der Trockenzeit zu bereisen
  • Tunnel Creek National Park (184 km SO) – Anreise über Great Northern Highway, ca. 43 km vor Fitzroy Crossing links abzweigen
  • Windjana Gorge National Park – Anreise ab Tunnel Creek NP ca. 150 km bis zur Schlucht, alternativ über die Gibb River Road.

Eine weitere Beschreibung der Kimberleys finden Sie unter Kununurra.

Lage
Broome: 17°18’11“ S, 123°37’44“ E, 5 m ü NN
🗺️Orts-/Regionsdarstellung in Online-Karten

Lokalzeit aktuell
Zeitzone: GMT +8 (Western Standard Time)

Wetter aktuell

Klima
Beste Reisezeit in der Trockenzeit von Mai bis September – Tageshöchsttemperaturen beispielsweise im Juli bei rund 27 Grad, frühmorgens bei 13 Grad. In der Zeit von Dezember bis März kommt es zu heftigen, monsunartigen Regenfällen. Es regnet dabei nicht den ganzen Tag, sondern meist am späten Nachmittag oder frühen Morgen und dann kurz und heftig. Vor allem die nicht asphaltierten Strecken sind in dieser Zeit unpassierbar. In den Übergangsmonaten April und Oktober/November sind vereinzelte kräftige Regengüsse nicht auszuschließen.

Einwohner
ca. 5.000; in der Region zur Zeit ca. 25.000 – seit Anfang der 90er Jahre hat die Region durch Projekte im Tourismus, Bergbau, in der Agri- und Aquakultur ihre Bevölkerung fast verdoppelt

Geschichte
Gegründet 1881, benannt nach dem damaligen britischen Außenminister. Einer kurzen Blütezeit um 1885 durch Goldfunde am Hall’s Creek folgten viele stille Jahre, bis die Viehzucht im Norden mehr und mehr wirtschaftlich wurde.

Unsere Empfehlung

Zwei bis drei Tage sollten Sie sich für Derby und die Schluchten der Umgebung in den westlichen Kimberley Zeit nehmen. Jeder zusätzliche Tag lohnt sich natürlich. Die folgende Empfehlung richtet sich an Individual-Reisende, die nur diese 2 -3 Tage Zeit haben und ein Allrad-Fahrzeug in Derby zur Verfügung haben. Wenn Sie weniger Zeit haben, wählen Sie aus unseren Tips einfach Ihre persönlichen Favoriten.

1. Tag – Derby

  • In unmittelbarer Nähe der Stadt befindet sich der Boab Prison Tree – ein Flaschenbaum, der auch schon als Gefängnis diente.

2. & 3.Tag – In den westlichen Kimberleys

  • Die Schluchten rund um Derby lohnen sich alle drei: Windjana Gorge National Park, Tunnel Creek National Park und Geikie Gorge National Park. Kalkulieren Sie genügend Zeit zum Spazieren, Bootsfahren, Fotografieren und Genießen ein.
  • Die Route von Derby zur Windjana Gorge und weiter über den Tunnel Creek NP zurück zum Great Northern Highway kann auch üblicherweise mit einem zweiradgetriebenen Fahrzeug befahren werden. Die ersten 65km sind Asphalt, dann geht es auf Gravel Road weiter. Es wird allerdings ganz schön ruckeln… Fahrer von zweiradgetriebenen Mietfahrzeugen haben für diese Route meistens keinen Versicherungsschutz (unbedingt beim Vermieter erfragen!).

Weiterfahrt aus der Region nach Osten – Richtung Kununurra via Gibb River Road

  • Diese Route ist die Alternative zur Weiterfahrt auf dem Great Northern Highway. Nach Kilometern ist es eine Abkürzung – aber nicht zeitlich. Eine echte Outback-Tour und ein unvergessliches Erlebnis. Für viele ein absoluter Höhepunkt ihrer Australien-Reise. 667 km, allerdings sollte man auch noch Abstecher einkalkulieren. Wer nicht nur durchrasen will, sollte 5-7 Tage investieren. 3-4 Tage sind Minimum. In der Regenzeit können Bäche über die Ufer treten und zu reißenden Flüssen werden und schwemmen ganze Bäume, Büsche und Felsbrocken auf die Gibb River Road.

Anreise

Flughafen
national: Derby (Flughafen-Kürzel: DRB), international: Perth und Darwin, begrenzt auch Broome

Straßen
Die Stadt liegt 20 km vom Great Northern Highway (Nr. 1) entfernt
🗺️ Perth – auf direktem Weg: 2342 km
🗺️ Darwin – auf direktem Weg: 1738 km
Straßenverhältnisse
Während der Regenzeit (insbesondere zwischen November und März) kann es aufgrund heftiger Regenfälle zu kurzfristigen Straßensperrungen kommen. Für die Fahrt auf die Dampier Halbinsel (Cape Leveque) ist ein Allradfahrzeig zwingend erforderlich.
🔗 Aktueller Straßenverkehrsbericht (Main Roads Western Australia)

Mietfahrzeuge
Mietstationen einiger großer Autovermieter in Broome. Während der Hauptreisezeiten empfiehlt sich für Allradfahrzeuge unbedingt Vorausreservierung aufgrund begrenzter Kapazitäten. Achtung: Einwegmieten nach oder von Broome unterliegen teilweise happigen Zuschlägen.

Sehenswertes

Fauna

Auf den Sandbänken der Ufer des Lennard River in der Windjana Gorge National Park liegen hin und wieder die scheuen Johnston Korokodile – Süsswasserkrokodile. Ein echter Fluss ist der Lennard River aber nur zur Regenzeit. Von April bis Oktober ist er eine Kette von Billabongs. Die 3,5 km lange Schlucht ist rund 350 Mio. Jahre alt. Ein sandiger Pfad führt durch die Schlucht. Dort sind auch Reste eines uralten Kalkalgenriffs aus dem Zeitalter des Devon zu bewundern, das einst 1000 km lang und 20 km breit die ganze Kimberley-Region bedeckte. Der Nationalpark wird zwischen April und Oktober von Rangern vor Ort betreut, die einen kleinen Campground und geführte Touren anbieten.

Die bis zu 30m hohe, sehr farbenprächtige Schlucht Geikie Gorge National Park entstand im Laufe von Jahrmillionen durch den Fitzroy River. Die Schluchtenwände beherbergen Jahrmillionen alte Fossilien. Besonders eindrucksvoll erlebt man die Schlucht auf Bootsfahrten, die während der Trockenzeit von April bis Oktober täglich angeboten werden (besonders zu empfehlen: die Morgentour). Auffällig sind die Hochwasserlinien, die um 16 m über der Wasserlinie der Trockenzeit liegen. Im Wasser hat es seltsame Bewohner: Der Schützenfisch schießt seine Beute mit Hilfe eines Wasserstrahls ab. Sägefische und Stachelrochen wurden vor Jahrmillionen in die Schlucht gespült. Mit dem Rückgang des Meeres passten sie sich an das Süßwasser an.

Naturphänomene

  • Die Horizontal Falls sind zwei hintereinander liegende gezeitenabhängige, wasserfallähnliche Ausgleichströmungen in der Talbot Bay. Der Tidenhub beträgt hier bis zu 11 Meter. Die Fließrichtung ist abhängig von der jeweiligen Tidenphase. Während des Gezeitenwechsels drängen sich enorme Wassermassen mit hoher Geschwindigkeit durch die beiden schmalen Meerengen. Da der Abfluss wegen des geringen Querschnitts verzögert wird, haben die beiden Becken und die Bay abhängig von der jeweiligen Tidenphase einen unterschiedlichen Wasserstand, der Ursache der Ausgleichsströmung ist. Zusammen mit den Strömungseffekten entsteht so der Eindruck eines Wasserfalls. Die Horizontal Falls können während der Trockenzeit im Rahmen von Kreuzfahrten besucht werden.
    🗺️ Google Maps: Luftbild der Horizontal Falls
  • Vor der Küste der Kimberly-Region im Nordwesten Australiens taucht jeden Tag für einige Stunden ein faszinierend Riff aus dem Wasser: Die Oberfläche des Montgomery Reef liegt bei Niedrigwasser bis zu 10 Meter über dem Meeresspiegel. Beim Ablaufen des Wassers bilden sich Hunderte von Wasserfällen, da das Wasser nicht so schnell abfließt wie der Meeresspiegel fällt. Aus der Luft wirken die schäumend-weißen Wasserfälle besonders reizvoll. Wer kurz vor Niedrigwasser das Riff überfliegt, sieht also ein höchst eindrucksvolles Schauspiel. Alternativ kann man das Montgomery Reef auch auf Bootstouren erreichen. Das Riff hat eine Gesamtfläche von 400 Quadratkilometern. Bei Ebbe sind riesige Lagunen, Sandsteininseln und eine zentrale Mangroveninsel zu sehen. Das ablaufende Wasser des Gezeitenstroms sammelt sich in einem Fluss im Riff in den sich die Wasserfälle ergießen. Rund um das Riff tummeln sich Meeresschildkröten, Mantas, Schwarzspitzen-Riffhaie und Dugongs. Vom Boot aus hat man in der Nähe der Wasserfälle das Gefühl auf die Stromschnellen eines Flusses zu blicken. Auf Touren mit Kreuzfahrtschiffen werde zum Teil Schlauboote eingesetzt, mit denen man dem Naturschauspiel besonders nahe kommen kann. Das Montgomery Reef entstand erst nach der letzten Eiszeit und ist vermutlich gerade mal 6000 Jahre alt. Es bildete sich aus Korallen und Rotalgen auf einem Tafelberg eines Ausläufers des Kimberley-Gebirges der nach der Eiszeit unter steigenden Meeresspiegel verschwand und auf dem sich dann das Riff aufbaute.

Historischer Ort

Im Boab Prison Tree (7 km S) – einem für die Region typischen Flaschenbaum, dessen Alter auf über 1.500 Jahre geschätzt wird, wurde u.a. der gesetzlose Aboriginal „Pigeon“ Jundumura eingesperrt, der zwischen 1894 und 1897 die Farmer der Gegend terrorisierte. Die naturgewachsene Zelle hat 14 m Durchmesser. Neben dem Prison Tree soll der angeblich längste Viehtrog der Südhalbkugel sein mit 120 m Länge. Die Affenbrotbäume („Adansonia Gregorii“), die die Australiern „Boabs“ nennen, kommen in Australien nur in den Kimberleys und an wenigen Stellen des Northern Territory vor. Diese Pflanzen können über 1000 Jahre alt werden, die Früchte haben einen hohen Vitamin-C-Gehalt.

Aktivitäten

Wandern

Im Tunnel Creek National Park hat der Fitzroy River ganze Arbeit geleistet. Dabei entstand auch ein 750 m langer, 3 bis 12 m hoher und bis zu 15 m breiter Tunnel. Durch den Tunnel können Sie während der Trockenzeit im morastigen, unterirdischen Flusslauf waten – sozusagen „Down Under“ im wörtlichen Sinne… Kurz nach der Regenzeit können auch einige Schwimmzüge notwendig sein. Vergessen Sie nicht eine Taschenlampe mitzunehmen. Im Tunnel hat es zuweilen Fledermäuse. Am nördlichen Eingang sehen Sie die Überreste von Felszeichnungen. Der Tunnel wurde bekannt durch den Aboriginal-Führer Junudumurra, der 1894 mehrere Weiße getötet haben soll und sich auf seiner Flucht vor der Polizei drei Jahre hier versteckt hielt. Am Höhleneingang wurde er durch einen Polizisten erschossen.

Veranstaltungen
Der kulturelle Jahreshöhepunkt ist das Boab Festival Ende Juli mit Rodeos, Straßenumzügen und Kunstaustellungen. Typisch für das Outback ist ein weiteres Highlight dieses Festivals: Mud-Football – ein Fußballmatch im manchmal knöcheltiefen Schlamm.

Quellen für weitere Informationen zur Region

🔗 Kimberley Tourism
🔗 Derby Tourism
🔗 Geikie Gorge National Park
🔗 Tunnel Creek National Park
🔗 Windjana Gorge National Park

Weiterreise

Für Ihre Weiterreise finden Sie Tipps bei unseren
🦘 Routen-Empfehlungen.
Checkliste mit Hinweisen zur Fahrzeugwahl (Allrad oder Zweirad) für Route von
🦘 Broome nach Darwin (inklusive Gibb River Road)

Folgende Ziele werden u.a. in den Tourtipps von AUSTRALIEN-INFO.DE vorgestellt:
>🦘 Broome
>🦘 Kununurra (Kimberley Region Ost)