Kakadu Nationalpark

Ingo Öland: Ubirr Rock
Ubirr Rock
📷 © Ingo Öland

Ab 1981 wurde der 19.000 qkm große Nationalpark als Kulturerbe der Menschheit zum „World Heritage Park“ erklärt – und zwar gleich doppelt: als Weltnaturerbe und Weltkulturerbe. Im Park befindet sich eine außergewöhnliche Landschaft der Extreme: Eines der wichtigsten Feuchtgebiete der Welt ist das Tiefland, das i.d.R. von November bis Mai überschwemmt ist. Zu dieser Zeit „verschwimmt“ im wahrsten Sinne des Wortes die Grenze zwischen Meer und Festland. Von trockenen Sandsteinplateaus stürzen dann rauschende Wasserfälle in Oasen hinunter. Die Region ist ein international sehr wichtiges Brut- und Durchzugsgebiet für Wasservögel. Seit dem großen Erfolg des Films Crocodile Dundee ist der Norden Australiens auch weltbekannt für seine Krokodile.

In der Sprache der Aboriginies heißt der Park Gagadju. Wahrscheinlich war es der Brückenkopf der Besiedlung des Kontinents zu Beginn der „Dreamtime“ – vor etwa 40.000 bis 60.000 Jahren. Ein besseres Gebiet um die Kultur der Aborigines, der australischen Ureinwohner, kennenzulernen gibt es neben dem Uluru (Ayers Rock) wohl kaum in Australien. Aus der „Dreamtime“, die mit der Ankunft der weißen Siedler im 18. und 19. Jahrhundert abrupt endete, sind noch viele Zeugnisse erhalten. Auffallend sind insbesondere die Felszeichnungen der Aborigines. Sie sind im „Röntgenstil“ gemalt, d.h. Rückgrat, Rippen sowie innere Organe sind exakt dargestellt. Dargestellt sind auch die typischen Beutetiere: Catfish und Sarartogas, Warane, Schildkröten, Possums und Wallabies. Die alten Felszeichnungen legen Zeugnis ab von der Kultur der Aborigines – einfache Skizzen aus Ocker in Rot, Gelb, Schwarz und Weiß, die von Menschen, Geistern und Tieren handeln. Manche der Malereien stellten Mini-Spirits dar, kleine Geister. Andere dienten nur dazu, Jagdtricks zu erläutern oder die Anatomie der Tiere deutlich zu machen.

Der Eintritt kostet eine Gebühr von 25 AUD pro Person und gilt maximal 14 Tage. Das Geld wird für Aktivitäten wie die Ranger Talks sowie die Instandhaltung und Erweiterung der Infrastruktur eingesetzt.
🔗 Parks Australia: Passes for Kakadu National Park

Lage
Darwin: 12° 6′ 5″ S, 132° 22′ 46″ O
🗺️ Orts-/Regionsdarstellung in Online-Karten

Lokalzeit aktuell
Zeitzone: GMT +9,5 Central Standard Time

Wetter aktuell

Klima
Beste Reisezeit in der Trockenzeit von Mai bis Oktober – sonnige warme Tage mit kühleren Abenden, nachts vereinzelt nur um 15°C. In der Zeit von November bis März kommt es zu heftigen, monsunartigen Regenfällen und es ist schwül. Es regnet dabei nicht den ganzen Tag, sondern meist am späten Nachmittag oder frühen Morgen und dann kurz und heftig. Vor allem die nicht asphaltierten Strecken sind in dieser Zeit unpassierbar. In den Übergangsmonaten April und Oktober/November sind vereinzelte kräftige Regengüsse nicht auszuschließen.

Einwohner
ca. 1.100 – Region Jabiru (2016)

Unsere Empfehlung

3 Tage sollten Sie mindestens für den Kakadu Nationalpark (inklusive Anreise ab Darwin) Zeit nehmen. Jeder zusätzliche Tag lohnt sich natürlich. Wir empfehlen den Park auf einer Fahrt von Nordwesten (von Darwin) nach Südosten (nach Katherine) oder umgekehrt zu bereisen. Die Route lässt sich auch problemlos als Rundreise von / nach Darwin gestalten, wenn Sie von Katherine über den Stuart Highway [und einem evtl. Abstecher in den ebenfalls sehr sehenswerten Litchfield NP] wieder nach Darwin zurückfahren. Die folgende Empfehlung richtet sich an Individual-Reisende, die nur diese drei Tage Zeit haben; in der Trockenzeit reisen und ein Fahrzeug z.B. in Darwin anmieten. Wenn Sie weniger Zeit haben, wählen Sie aus unseren Tips einfach Ihre persönlichen Favoriten. Ausführliche Beschreibungen zu den genannten Punkten finden Sie unter den einzelnen Rubriken. Gruppenreisen und organisierte Ausflüge werden übrigens von Darwin und Katherine in großer Auswahl angeboten.

1. Tag – Von Darwin nach Jabiru

  • Anreise von Darwin über den Arnhem Highway
  • Mamukala Wetlands Walk
  • In Jabiru Bowali Visitor Centre unde der Manngarre Monsoon Rainforest Walk
  • Zum Sonnenuntergang zum Ubirr Art Site Walk am Ubirr Rock
  • Übernachtung in Jabiru

2. Tag – Ausflüge von Jabiru

  • Rundflug über den Kakadu-Nationalpark
  • Nourlangie Rock: Art Site Walk zu den Felszeichnungen, eventuell anschließend noch ein leichter Spaziergang zum ruhig gelegenen Anbangbang Billabong (2,5 km Rundweg; 1 hr).
  • Alternativ oder zusätzlich: Aufstieg zum Mirrai Lookout.
  • Zu Beginn der Dämmerung empfiehlt sich der Bubba Wetlands Walk
  • Übernachtung in Cooinda.

3. Tag – Von Cooinda nach Katherine

  • Rundfahrt auf der Yellow Waters Lagoon, möglichst sehr früh – z.B. um 7.00 Uhr mit einem der ersten Boote.
  • Eventuell noch ein Abstecher zu den Jim Jim und Twin Falls zum Baden. Alternativ: Badefreuden am Maguk Plunge Pool oder in Gunlom am Waterfall Creek
  • Ansonsten Weiterfahrt in die Region von Katherine auf dem Kakadu Highway.

Überblick
Die Wanderung zum Mirrai Lookout (13 km S von Jabiru) bietet die schönste Aussicht über das Kerngebiet des Parks (1,8 km mit Aufstieg von 120 Höhenmetern; hin / zur. 90 min).

Anreise

Flughafen
international: Darwin (DRW), national: Jabiru

Straßen
🗺️ Darwin: 185 km
🗺️ Katherine: 230 km

Straßenverhältnisse
Auf dem Stuart und Arnhem Highway verkehren Road Trains – bis zu 50 m lange Lastzüge des Güterfernverkehrs („Könige der Landstraße“). Die Fahrzeuge können nur sehr langsam bremsen, fahren aber sehr schnell. Bester Tipp: Ausweichen.

  • Die Straßen zu den JimJim Falls und den Twin Falls sind schlechte, oft ausgewaschene Tracks, die in der Regenzeit meist gesperrt sind. Versicherungsschutz für Mietfahrzeuge auf dieser Strecke nur für Allradfahrzeuge. Alternativ kann man zu diesen Wasserfällen während der Regenzeit auch mit dem Kleinflugzeug gelangen.
  • Heftige Regenfälle können zur längeren Sperrungen der Highways führen. Reisende, die beabsichtigen während der Regenzeit das Gebiet zu bereisen sollten beachten, dass die Ausprägung der Regenzeit sehr unterschiedlich ist. Die vielzitierte Information, dass während der Regenzeit täglich ein kurzer Schauer runter kommt und danach alles wieder in Ordnung ist, ist keineswegs eine verlässliche Grundregel. Es kann tagelang die Sonne scheinen ohne das Regen fällt und trotzdem überflutet ein Fluss weitläufige Gebiete aufgrund eines Starkregens der Hunderte von Kilometern entfernt stattfand. Besonders tückisch sind die Starkregenfälle, die im Zuge von Zyklonen auftreten können. 200-300 mm Niederschlag binnen 24 Stunden sind hier durchaus möglich.
    🔗 Aktueller Straßenverkehrsbericht (Northern Territory Government)

Sehenswertes

Fauna

Der Park kann eine Statistik der Superlative aufweisen:

  • 280 Vogelarten, darunter Störche, Ibis-, Löffler- und Reiherarten, Komorane, Kakadus und Seeadler. Ein Drittel aller australischen Vogelarten lebt hier.
  • 75 Reptilienarten, am bekanntesten wohl die großen Leistenkrokodile, die über 7 Meter lang werden können.
  • 55 Fischarten
  • mehr als 50 Säugetierarten
  • 22 Froscharten

Die besten Chancen bei der Tierbeobachtung haben Sie am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wobei die Vögel am frühen Morgen am aktivsten sind. Fernglas und Teleobjektiv nicht vergessen. Herausragende Touren zur Tierbeobachtung werden ab Cooinda (59 km S von Jabiru) auf der Yellow Waters Lagoon und dem East Alligator River (45 km N von Jabiru) angeboten. Dort sehen Sie vielleicht auch den Jabiru, den Schwarzhalsstorch, der dem Hauptort seinen Namen gab. Oder azurblaue Eisvögel. Krokodile bewegen sich träge durch das Wasser oder liegen regungslos am Ufer, Seeadler und andere Greifvögel sitzen in Baumwipfeln, und der Jesusvogel fliegt scheinbar schwerelos von Wasserlilienblatt zu Wasserlilienblatt. Malerisch liegen im Mai/Juni dazu rosa Lilien auf der spiegelglatten Wasserfläche und senken Mangroven ihre Wurzeln ins Nass.

Flora
Im Nationalpark wechseln sich Mangrovensümpfe mit Steppengelände ab, rote Sandsteinformationen mit grünen Wiesen. Über weite Strecken ziehen sich Eukalyptuswälder hin. Typisch sind auch die Brotfruchtbäume mit ihren kalebassenähnlichen Stämmen und die fragil erscheinenden Papierrindenbäume, deren weiche Rinde von den Einheimischen als Polster für Schlafmatten oder Kinderwiegen verwendet wird.

  • Botanisches Herzstück ist die Yellow Waters Lagoon (59 km SO Jabiru) bei Cooinda. Wasserlilien & Seerosen (Blüte: Mai/Juni) sowie die selten gewordenen Lotusblüten (Blüte: Juni) sind hier zu sehen.
  • Große Mangrovenwaldgebiete gibt es auch längs der Flüsse (wie z.B. dem South Adelaide River). Diese Zonen sind während der Trockenzeit stärker salzhaltig als in der Regenzeit, wenn die Flüsse weit über die Ufer treten. In den lligadjar Wetlands (13 km von Jabiru) erklärt ein Lehrpfad Pflanzen und Tiere im Alltag und der Mythologie der Aborigines (4 km Rundweg / 2 h)

Kultur

  • In Jabiru ist das Bowali Visitor Centre, das Visitor Centre des Nationalparks, unbedingt zu empfehlen. Eine Ausstellung widmet sich der Natur – auch aus Sichtweise der Aboriginies. Eine Galerie und Video-Displays in modernster Aufmachung vervollständigen das Informations-Angebot.
  • Das Aboriginal Kulturzentrum Warradjan in Cooinda (30 km SW Jabiru) bietet Übungen im Feuermachen, Speer- und Bumerangwerfen & Didgeridoospiele sowie ein Kräutergarten der Aborigine-Medizinmänner.
  • Am Nourlangie Rock (35 km SW Jabiru) sind in der Anbangbang Gallery (1,5 km Rundweg / 45 min) Felszeichnungen, die ca. 1.000-20.000 Jahre alt sind zu sehen. Vom Nawurlandja Lookout gibt es außerdem einen schönen Ausblick. Der nicht minder interessante Ubirr Rock (50 km N Jabiru) hat ebenfalls 20.000 Jahre alte Zeichnungen. U.a. mit der Regenbogenschlange eines der weltweit ältesten künstlerischen Symbole. An beiden Orten gibt es mehrfach täglich Führungen durch Nationalpark-Rangers.

Geologie
Unter dem Boden des Nationalparks liegt eines der größten Uranvorkommen der Welt. 9 % des Weltbedarfs an Uran werden in Jabiru in der Ranger Mine im großen Tagebau gefördert. Das Minengebiet wurde aus dem eigentlichen Nationalpark ausgeklammert. (Besichtigung täglich möglich). Der Abbau ist umstritten. Umweltschützer fürchten, das fragile Ökosystem des Parks könnte durch radioaktive Schlämme beeinträchtigt werden.

Architektur
Das Nationalpark-Hotel Gagudju Crocodile Hotel (eröffnet 1988) mit seinen 300 Zimmern wurde in Krokodilform errichtet. Allerdings kann man seinen besonderen Reiz leider nur aus der Luft richtig erkennen.
🗺️ Google Maps: Blick auf das Hotel von oben

Aktivitäten

Wandern
Für Tierbeobachtungen sollten Sie zu nachfolgend genannten reinen Wanderzeiten zusätzliche Zeit einplanen. Während der Regenzeit unbedingt über Wegzustand informieren, Überschwemmungen sind häufig möglich.

  • Das Gebiet von Mamukala (29 km W von Jabiru) ist sehr gut zur Sumpfvögel-Beobachtung. Mehrere Wege stehen zur Auswahl: 200 m; 1 km; 3 km.
  • In Ubirr (36 km N von Jabiru) kann man den Mangarre Monsunwald hervorragend von einer Aussichtsplattform im Kronenbereich der Regenwaldbäume entdecken. (ca. 1 h Rundwanderung; 1,5 km).
  • Das Sumpfgebiet von Cooinda (59 km S von Jabiru) ist insbesondere zum Ende der Trockenzeit der Treffpunkt einer Vielzahl von Tieren. Entlang der Lagune bis zum „Home Billabong“ führt ein ebener Bohlenweg zu den besten Aussichts- und Beobachtungsplätzen. (ca. 1 h hin/zur.; 1,5km).
  • Ebenfalls sehr gut zur Beobachtung von Wasservögeln: Der Bubba Wetlands Walk (40 km S Jabiru) (ca. 2 h Rundwanderung; 5 km).

Baden
Es gibt zahlreiche Billabongs (australische Bezeichnung für nicht bis schwach fließenden Teil eines (meist ansonsten ausgetrockneten) Flusses, der oft als Badeteich benutzt wird). Die meisten dieser Badestellen haben im Laufe des Jahres unterschiedliche Wassermengen. Die Wasserfälle haben ihre stärkste Schüttung zum Ende der Regen-/Anfang der Trockenzeit. Am Ende der Trockenzeit laufen manchmal nur noch Rinnsale in den Billabongs, die sie speisen.

  • Am größten Wasserfall des Parks, den Jim Jim Falls (Fallhöhe 215 m), ist ein großer, romantischer Billabong. (leichte Wanderung: 1 km; 60 min hin/zur.)
  • Auch an den Zwillingswasserfällen der Twin Falls (120 km SW Jabiru) ist ein schöner Billabong. Um ihn zu erreichen, muss man aber auf dem Wanderweg dorthin ein paar Mal durch den Fluss schwimmen.
  • Weniger bekannt: Der Maguk Plunge Pool (106 km SW Darwin) hat einen kleinen Wasserfall und eine schöne Sandbank am See. (leichte Wanderung: 2 km; 90 min hin/zur. – nur in der Trockenzeit begehbar)
  • Ein weiterer netter Badesee und auch als „Instagram-Hotspot“ bekannt: Der türkisfarbene Gunlom am Waterfall Creek. (100 km SW Jabiru).

Sicherheits-Hinweis: Die Seen im Kakadu Nationalpark sind teilweise über weitläufige Kanalsysteme mit dem offenen Meer verbunden. Sie sind durchaus verlockend für Schwimmer. Allerdings sollte man dieser Verlockung besser widerstehen: Eine 24-jährige Deutsche wurde im Oktober 2002 am Sandy Billabong von einem vier Meter langen Krokodil angefallen und getötet (wir berichteten im Newsletter). An vielen Billabongs warnen Schilder unzweideutig vor der Gefahr durch Salzwasserkrokodile. Lassen Sie sich nicht von der Idylle täuschen. Die Schilder haben ihre Berechtigung. Und: Erkundigen Sie sich über die aktuelle Badequalität im Besucherzentrum.

Quellen für weitere Informationen zur Region

🔗 Kakadu National Park (Department of the Environment and Heritage)
🔗 Kakadu National Park: Straßen und Wanderwege-Report (inkl. Information über aktuelle Sperrungen)

Weiterreise

Für Ihre Weiterreise finden Sie Tipps bei unseren
🦘 Routen-Empfehlungen
Checkliste mit Hinweisen zur Fahrzeugwahl (Allrad oder Zweirad) für Route von
🦘 Darwin nach Cairns (Savannah Way)

Folgende Ziele werden u.a. in AUSTRALIEN-INFO.DE vorgestellt:
🦘 Arnhem Highway
🦘 Litchfield National Park
🦘 Katherine
🦘 Nhulunbuy (Arnhem Land / Gove Peninsula)