Geraldton (Kalbarri National Park)

Ingo Öland: Kalbarri
Felsformation im Kalbarri National Park
📷 © Ingo Öland

Kurzportrait

Der größte Ort im zentralen Westen an der Batavia Coast dient als Erholungsort an der Küste für die Weizenfarmer des trockenen Hinterlandes und ist einer der beliebtesten Orte in West Australien zum Überwintern. Die Blütezeit erlebte Geraldton um 1890 als Haupthafen für den Goldrausch in Murchison (in Cue, Day Dawn, Mount Magnet, Meekatharra und Yalgoo).

  • Im Kalbarri National Park hat der Murchison River über Millionen von Jahren bis zu 150 m tiefe Schluchten in die Sandsteinschichten geschnitten. Der erst 1951 entstandene Ort Kalbarri liegt außergewöhnlich reizvoll im Herzen eines der schönsten National Parks von Western Australia. Das Gebiet ist für seine besonders artenreiche Wildblumenblüte von August bis Oktober berühmt. Neben den Wanderungen im Kalbarri National Park ist die Region beliebt zum (Hochsee-)Fischen, Reiten, Kanusafaris, Flusskreuzfahrten. Der Park ist insbesondere in den Abendstunden unvergesslich. Dann werden die Sandsteinklippen in dunkles Purpurrot getaucht. Sowohl entlang des Flusslaufes, wie auch an der Steilküste ist er landschaftlich sehr abwechslungsreich.
  • 60 km westlich vor der Küste erstreckt sich das Archipel der Houtman Abrolhos-Inseln, das aus rund 100 Inseln besteht und 2019 zum Nationalpark deklariert wurde. Vor 10.000 Jahren waren sie noch Teil des australischen Festlandes. Sie beheimaten eine reiche Tierwelt (insbesondere Vögel, z.B. der seltene Lesser Noddy Tern und die Brush Bronzewing Taube). 1629 strandete hier die Batavia, die dem Küstenstrich den Namen gab. Anbieter in Geraldton und Kalbarri führen Rundflüge durch, bei denen Besucher auf den Inseln landen und an Land an geführten Naturspaziergängen teilnehmen, Vögel und Wallabys beobachten oder schnorcheln gehen können. Aus der Luft sind zahlreiche Schiffswracks zu sehen, darunter die Zeewijk, Ocean Queen, Windsor und Ben Ledi.

Lage
Geraldton: 28° 46′ S, 114° 36′ O, 8 m ü NN

Lokalzeit aktuell
Zeitzone: GMT +8 (Western Standard Time)

Wetter aktuell

Klima
Durchschnittlich 8 Sonnenscheinstunden und wenig Niederschläge

Einwohner
ca. 38.289 (2016)

Unsere Empfehlung

Einen Tag sollten Sie sich für den Kalbarri National Park nördlich von Geraldton mindestens Zeit nehmen. Jeder zusätzliche Tag lohnt sich natürlich. Die folgende Empfehlung richtet sich an Individual-Reisende, die nur diesen Tag Zeit haben und ein Allrad-Fahrzeug für das Gebiet Kalbarri zur Verfügung haben.

1. Tag – Kalbarri National Park

  • Für die Besichtigung der Schluchten empfiehlt es sich einen Tag Zeit zu nehmen. Der Park teilt sich in einen Küstenabschnitt und eine Region entlang des Murchison Rivers. Beide sind sehr reizvoll. Wir empfehlen jeweils einen halben Tag zu reservieren und aufgrund der Lichtstimmungen für Fotografen eher die Punkte am Murchison River morgens / mittags zu besuchen, dagegen die Küste nachmittags /abends. „Must See“-Stationen sind der Ross Graham Lookout am Murchison River und die Natural Bridge an der Küste – beide leicht in einem kurzen Spaziergang zu erreichen.

Nachfolgend finden Sie noch ausgewählte Tipps für den besten Aus- und Überblick sowie reizvolle Spaziergänge / Wanderungen:

Übersicht
Auf der Straße durch den Kalbarri National Park kommt man in eine atemberaubende Landschaft. Einer der schönsten Ausblicke auf den Murchison River ist bei Z Bend, auf den gleichnamigen Fluss, der sich hier tief in den Felsen eingeschnitten hat. Seit 2020 kann man in hundert Metern Höhe im Kalbarri Nationalpark bei Inyaka Wookai Watju (West Loop) auf zwei neue Skywalks gehen, die 12 und 20 Meter weit in die Schlucht des Murchison River hineinragen.
🔗 Parks WA: Kalbarri Skywalk

Anreise

Flughafen
national: Geraldton (Flughafen-Kürzel: GET), international: Perth

Straßen
Die Stadt liegt am Great Northern Highway (Nr. 1), Nordost: Darwin (3739 km), Südwest: Perth (424 km via North Western Coastal Highway / Nr. 1).

Kalbarri National Park: Die Zufahrt liegt 120 km N von Geraldton. Die Straße zu Loop, Zbend und Natures Window ist seit 2017 komplett geteert. Weitere Straßen sind ungeteert, erfordern aber kein Allradfahrzeug. Allerdings sind Mietfahrzeuge mit Zweiradantrieb oft abseits geteerter Straßen nicht versichert.

Sehenswertes

Fauna
Der Vogelpark Rainbow Jungle hat eine Vielzahl exotischer Vögel, die in einer großen Voliere auch gut fotografiert werden können. Im Park befindet sich auch ein Whale Watching Tower zur Beobachtung der Meeressäuger.

Botanik
Der geringe Niederschlag lässt fast das ganze Jahr nur Sträucher und Büsche gedeihen. Die große Ausnahme: In den Monaten August bis Oktober verwandelt sich der Park in ein Farbenmeer. Die Wildblumenblüte ist ein absoluter Augenschmaus.

Museen
Das Geraldton Museum im Old Railway Building hat eine herausragende Sammlung über die lokale Aboriginie-Geschichte, die europäischen Entdecker und die lokale Fauna und Flora. Das Maritime Museum ist im positiven Sinne „überschaubar“. Es konzentriert sich völlig auf die Erforschung der Küste von Western Australia und die versunkenen Schiffe im 17. Jahrhundert, die hauptsächlich von Holländisch-Ostindischen Gesellschaft stammen.

Bergbau
1848 eröffnete die Bleimine in am östlichen Ende des Kalbarri National Park, deren Überreste noch heute in der östlichen Park-Ecke zu finden sind. Anreise nur mit Allrad möglich. Das Chapman Valley – erschlossen über den 100 km langen Chapman Valley Heritage Trail – hat eine nahezu 100 jährige Vergangenheit von 1863 – 1959) als Kupfer- und Bleiabbaugebiet und dient jetzt als Weideland für Schafe und Rinder sowie für den Weizenanbau. Schöne Landschaft ist hier kombiniert mit vielen historischen Stätten.

Kulinarisches

Hummer: Geraldton besitzt die größte Hummerflotte der Westküste. Kleinere Flotten sind in den Orten Cervantes, Jurien und Port Gregory beheimatet. Die Abrolhos Inseln sind für den Hummerfang von zentraler Bedeutung. Es gibt Tagestouren, aber kein Besucher darf über Nacht bleiben.

Algen: In der Hutt-Lagune bei Northampton in Westaustralien (50 km nördlich von Geraldton) werden Dunaliella-Algen gezüchtet, deren Farbstoff zum Färben von Kosmetika, Speisen und Getränken verwendet wird. Es ist die größte Algenfarm der Welt für Beta-Carotin. Das Wasser der Lagune ist zuweilen erdbeerrot. Auch auf Google Earth fällt bei den Satellitenbildern die Färbung auf.
🗺️ Hutt Lagoon in Google Maps

Aktivitäten

Wandern
Im Kalbarri National Park können im Sommer die Temperaturen über 40 Grad erreichen. Achten Sie auf jeden Fall darauf ausreichend Wasser mitzunehmen. Nicht ganz ohne Anforderungen an die Kondition: Der 15 km lange Küstenwanderweg, der zu allen spektakulären Aussichtspunkten führt, wie Red Bluff, Mushroom Rock, Shellhouse Grandstand und Natural Bridge. Letztere erinnert stark an den Arches National Park in den USA. Zu den einzelnen Aussichtspunkten führen zum Teil auch Stichstraßen und kurze Spaziergänge.

Tauchen
An der stürmischen Küste befinden sich eine Vielzahl von Schiffswracks. Für Taucher sind sie heute ein herausforderndes Ziel: Die Zeugen der Vergangenheit unter dem Meeresspiegel. Die Abrolhos Islands, die etwa 60 Kilometer vor der Küste von Geraldton liegen, werden oft als die „Galapagos Inseln Australiens“ bezeichnet. In ihrer biologischen Vielfalt sind sie einmalig: hier gibt es Australische Langusten, Noddi-Seeschwalben, Derby-Wallabys und die vom Aussterben bedrohten Australischen Seelöwen. Die Inselgruppe besteht aus 122 Korallenbänken und -inseln, die sich über mehr als 100 Kilometer im Indischen Ozean erstrecken und die man in drei Gruppen zusammenfassen kann: Wallabi Group, Easter Group und Pelsaert Group. Die Abrolhos Islands sollen als Weltklasse-Reiseziel für Ökotourismus positioniert werden. Ab 2020 wird in touristische Infrastruktur wie neue Bootsanleger, schattenspendende Unterstände, Wanderwege, Informationstafeln und Toiletten sowie eine Sanierung der Landepiste auf East Wallabi investiert.

  • Das holländische Handelsschiff Batavia strandete 1629 vor den Albrohos Inseln. Sie hatte u.a. 316 Menschen an Bord, Juwelen, 12 Kisten mit Silbermünzen im Wert von 250.000 Gulden) sowie Baumaterial für Batavia – das heutige Djakarta. Die Inseln waren der erste (unfreiwillige) Siedlungsplatz von Weißen in Australien) in the Dutch East Indies. Unter den Überlebenden war Kapitän Francisco Pelsaert der das Beiboot mit 47 Überlebenden nach Batavia weitersegelte. Derweil terrorisierte der Anführer einer Meuterei, Jeronimus Cornelisz, den Rest und brachte rund 125 um. Skelette der Opfer wurden auf Beacon Island gefunden. Also was waren die ersten Zeichen der sogenannten „Zivilisation“, die Europa angeblich nach Australien brachte? Zwei Festungen (deren Überreste noch zu sehen sind), ein Massaker und massive Bestrafungen (wie Enthauptungen und abgehackte Hände für die Meuterer). Zwei der Meuterer wurden ausgesetzt: Wouter Loos und Jan Pelgrom – die ersten Weißen auf dem Festland. Was aus ihnen wurde ist unbekannt.
  • 1712 lief bei Kalbarri das holländische Schiff Zuytdorp auf Grund. Es soll u.a. 100.000 Gulden an Bord gehabt haben. Endstation Riff hieß es erneut 1727 für die Zeewijk an den südlichen Abrolhos-Inseln.
  • 1839 strandete Leutnant George Grey auf dem Wege zum Nord-West-Kap und musste als erster Weißer nach Perth zurückwandern.
  • Am 18. September 2004 wurde das ehemalige Piratenschiff „South Tomi“. Die „South Tomi“ dient als künstliches Riff und damit als Taucherparadies. Sie liegt in 24 Metern Tiefe etwa vier Kilometer vom Strand entfernt – also besonders leicht zu erreichen. Nicht nur das explosive Ende des Schiffes ist spektakulär: Im März 2001 jagte die Australische Marine das 52 Meter lange Schiff rund zwei Wochen lang kreuz und quer über 6100 Kilometer durch den Ozean, da es mit Hunderten Tonnen illegalem Fisch beladen war – die längste Verfolgungsjagd eines Piratenschiffs in der Geschichte Australiens. (Bereits 1998 sprengten Experten die „HMAS Swan“ bei Dunsborough und 2001 die „HMAS Perth“ in den Gewässern vor Albany.)
    Tauchen in Australien

Kuriosa

„Ausland“
Skurril war die „Hutt River Province“ (100m km N), die von 1970 bis 2020 nach eigener Definition ein „unabhängiges Fürstentum“ war.
🦘 Kuriosa: Rückblick auf Hutt River Province.

Quellen für weitere Informationen zur Region

🔗 Tourism Association: „Australia’s Coral Coast“
🔗 Shire of Geraldton-Grenough
🔗 Kalbarri Nationalpark

Weiterreise

Für Ihre Weiterreise finden Sie Tipps bei unseren
🦘 Routen-Empfehlungen.
Checkliste mit Hinweisen zur Fahrzeugwahl (Allrad oder Zweirad) für Route von
🦘 Perth nach Broome

Folgende Ziele werden u.a. in den Tourtipps von AUSTRALIEN-INFO.DE vorgestellt:
🦘 Perth
🦘 Denham / Monkey Mia
🦘 Exmouth